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Ausgezeichnet

Ausgezeichnet. Klemens Brosch-PreisträgerInnen

 

Aus Anlass der großen Klemens Brosch Retrospektive werden im Wappensaal der Landesgalerie die Klemens Brosch-PreisträgerInnen präsentiert. Der Preis für zeitgenössische Positionen zur Zeichnung wird seit 2011 von der Energie AG in Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich vergeben. Die bisherigen PreisträgerInnen Iris Christine Aue, Alexander Glandien, Inga Hehn, Katharina Lackner und Klara Kohler sowie die noch zu prämierende Position für 2016 werden in der Ausstellung vorgestellt.

 

Ich werde dort meine neue Arbeit "Notizatlas" zeigen, die täglich wächst...mehr dazu ist hier zu finden.

Und, ich zeige die vierteilige Arbeit "meine Liebsten II", erstmals öffentlich zu sehen.

 

Eröffnung: Mi, 19. Oktober 2016, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 20. Oktober 2016 – 12. März 2017
Landesgalerie Linz, Museumstraße 14, A-4010 Linz

 

 

Eine Ausstellung der Landesgalerie Linz,
kuratiert von Inga Kleinknecht, gestaltet von Ulrich Kehrer.

 

Text zu den gezeigten Arbeiten

„Ich reiß’ mir eine Wimper aus und stech’ dich damit tot.“ Auch wenn klar ist, dass einem eine Wimper so leicht nichts anhaben kann, so werden in diesem Satz doch zumindest zwei Momente der Gewalt angesprochen: Einerseits ein Akt der Selbstverletzung, andererseits das Begehren, jemand anderen etwas anzuhaben. Auch Wörter können wehtun und Sprache kann Herrschaft begründen. Diesem Gedanken folgend, hat Iris Christine Aue seit geraumer Zeit eine umfassende Sammlung aus Zitaten, Gedächtnisprotokollen, Songtexten und anderen sprachlichen Fundstücken erstellt, aus denen sich ihre künstlerische Praxis maßgeblich speist. So wie der Titan Atlas der griechischen Sage nach das Himmelsgewölbe trägt und der Halswirbel Atlas die Last des menschlichen Schädels, vermisst Aues Wandinstallation namens „Notizatlas“ (2016) mit Farb-, Bleistift und Aquarellfarben das Gewicht der Welt: Auf einer Unzahl kleinformatiger Büttenpapierstücke (6 x 9 cm bzw. 9 x 12 cm) wird in Form von Textfragmenten ausgelotet, wie schwer Sprache wiegen kann und zeichnerisch zugleich eine Bildsprache entworfen, die den Blick eindringlich auf subtile Momente der Macht lenkt: Feingliedrige Linien skizzieren in nicht negierbarer Klarheit Szenarien und Körperbilder des (Ver-)Drängens, Ziehen und Zerrens, Stechen und Verlassen-Seins. Nähe und Distanz, Zuviel und Zuwenig von menschlichem Miteinander montiert die Künstlerin hier in Wort und Bild mit Stahlnägeln auf sattblauem Hintergrund, in die Ecke des Raumes verwiesen, die Betrachtenden sachte umfangend.

 

Vom einer Übermacht des Umfangen-Seins erzählt auch Aues großformatige Arbeit „meine Liebsten II“ (199 x 108 cm, 2015). Vier gerahmte Einzelblätter eröffnen einen von dunkelbraunen Bilderrahmen fragmentierten Blick auf drei schwarze Vögel, die mit Seilen gefesselt, kopfüber von einem Holzgestell herabhängen. Während die Vögel als auch die Oberflächen des Holzgestänges feinste Linienführung und Maserungen erkennen lassen, bleibt der Grund, in dem die Holzlatten verankert sind, scheinbar substanzlos: Das hölzerne Folterinstrument steht – oder schwebt? – auf einem nicht näher definierten Grund. So wie schon Aues Atlas-Miniaturen, kreisen auch die ruhiggestellten Vögel dieser zweiten Arbeit um Momente des Sammelns, Besitzens und Festhaltens. Federtiere sind ein wiederkehrendes Motiv in Aues zeichnerischem Werk. Flugs und mit Leichtigkeit die Lüfte erobernd, laufen sie gleichzeitig auch Gefahr, sich in Übermut und Ziellosigkeit zu verlieren. Oder ihr Schicksal wird von anderen beschlossen: Kaum imstande, sich zu regen oder zu atmen, baumeln in „meine Liebsten II“ gleich drei an der Zahl von der Stange. Gerichtet von einer nicht näher definierten Macht, Seite an Seite ihr Schicksal teilend. „Du entkommst meiner Liebe nicht“, wäre einer der Sätze, der hier zu weit mehr als nur einer Androhung geriet.

 

Text von Antonia Rahofer, Oktober 2016

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